Presse über uns Management by Meditation ManagerSeminare Heft 57 2002, S 16-18 „Führung – Ethik – Meditation: Aufbruch in ein neues Bewusstsein" – unter diesem Motto versuchte ein Symposium der „Zen-Akademie für Führungskräfte" den Brückenschlag zwischen Meditation und werteorientierte Führung. Die Krise ist bei den Managern angekommen. Trieb den Club of Rome in den 60er Jahren noch die Sorge um die Natur und ihre Ressourcen um, sehen sich Manager heute unmittelbar selbst in Gefahr: „Schlafstörungen, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, innere Unruhe, Schuldgefühle, Überlastungserscheinungen, Burnout-Syndrome", bringt es Dr. Hans Wielens auf den Punkt, ehemaliger Vorstandschef der Deutschen Bank Bauspar AG. Eine Katastrophe, nicht nur für den einzelnen Manager, sondern auch für die Unternehmen, die die Ausfälle ihrer führenden Kopfe teuer bezahlen müssen. Was dagegen hilft? „Meditation", lautet die kurze Antwort von Dr. Hans Wielens, der nach seiner Pensionierung – und einer persönlichen Krise – die „Europäische Zen-Akademie für Führungskräfte" ins Leben gerufen hat. Durchaus kein Sammelbecken für weltentrückte Esoteriker, sondern ein Ort für hochkarätige Manager und Wissenschaftler. Das zeigt die Rednerliste des Symposiums „Führung – Ethik – Meditation", das die Akademie am 15. und 16. April in Münster ausgerichtet hat: Unter anderen standen Dr. Wilfried Guth darauf, langjähriger Vorstandssprecher und Aufsichtsratvorsitzender der Deutschen Bank AG und Paul J. Kohtes, Gründer der international erfolgreichen Beratungsgruppe ECC Kohtes Klewes.
Ihnen gegenüber saßen etwa 40 Teilnehmer, vor allem Männer im besten Manager-Alter, die wissen wollten, was Führungsfähigkeit mit Meditation zu tun haben könnte. Dr. Hans Wielens erklärte die Verbindung mit einem Rückgriff auf die Naturwissenschaften: Ende des 20. Jahrhunderts hätten die Komplexitätswissenschaften (Kybernetik, Chaostheorie etc.) entdeckt, dass die Wirklichkeit aus Einheiten bestehe, die sich selbständig organisieren und hierarchisch ordnen können: Alle Einheiten zeichneten sich durch die Fähigkeit aus, ihre Autonomie zu wahren, während sie sich gleichzeitig veränderten, weil sie ihre Integration in die nächst höhere Hierarchiestufe anstrebten. Für Ex-Manager Wielens liegt der Vergleich zum Ordnungsprinzip eines Unternehmens auf der Hand: „Wesentlich ist dabei, dass es sich nicht um eine Kontrollhierarchie handelt, in der Informationen nach oben und Befehle nach unten fließen, sondern um eine Verwirklichungshierarchie." Von hier aus ist der Schritt zum Thema „Führung" nicht mehr groß. Wielens: „Der richtige Umgang mit einem Mitarbeiter bedeutet, ihn in seiner Individualität zu verstehen und zu respektieren und ihn so zu behandeln, dass er von diesen seinen Möglichkeiten im besten Sinne Gebrauch macht." Dazu gehöre ein Höchstmaß von Respekt und Akzeptanz auch gegenüber „Eigensinnigkeiten" und „Querköpfigkeit." Diese Erkenntnis ist so neu nicht. Gleichwohl haben viele Konflikte zwischen Führungskräften und so genannten Untergebenen hier ihren Knackpunkt. Und den will Wielens nun mit dem Mittel Meditation aushebeln: Wer meditiere, könne gelassener mit Emotionen umgehen, könne intuitiver handeln, komme zu einem klareren Denken, löse sich vor überkommenen Vorstellungen – auch und vor allem über sein Ego – und lande letztendlich in seiner eigenen Mitte. Dort findet er offenbar aber nicht das mühsam gesuchte „Selbst", sondern ein tiefes, inneres Verständnis dessen, wie die Welt im Innersten zusammenhält. Wer einmal erfahren habe, wie der Mensch vom Menschen, von den Unternehmen und letztlich von der Natur und dem Kosmos abhängig sei, übernehme – gleichsam automatisch – Verantwortung nicht nur für seine Quartalsberichte, sondern globale Verantwortung. Dazu gehörten neben den natürlichen Ressourcen eben auch die Mitarbeiter, Kunden, Mitbewerbern und natürlichen Ressourcen. Und damit wären wir bei wertorientierter Führung und ethischen Fragen. Und auch bei dem zentralen Problem dieses Gedankengangs: Der Moment des inneren Erkennens, der meditierenden Menschen offenbar geläufig ist, läßt sich sprachlich kaum fassen und deshalb auch nicht per Vortrag vermitteln. Dr. Peter Zürn, bekannt als Autor und Leiter der Baden-Badener Unternehmergespräche i.R., praktiziert seit 30 Jahren Zen und formuliert das so: „Zen ist transrational und translogisch und damit intellektuell nicht erfassbar, sondern nur existenziell nachvollziehbar." Die von ausgewiesenen Zen-Lehrern angeleiteten Kurzmeditationen zwischen den Vorträgen konnten diese Lücke auch nicht schließen. Gleichwohl folgten die Teilnehmer bereitwillig den Anweisungen, konzentrierten sich gern auf „diesen einen Atemzug", um nach endlosen Minuten mit geröteten Wangen aus ihrer Meditation aufzutauchen. Zen-Meditation läßt sich offenbar gut mit Managern vereinbaren: Sie ist nicht an Räucherstäbchen, nicht an feste Rituale und auch nicht ein eine bestimmte Religion oder Konfession gebunden. Zazen, die Praxis des Zen, bedeutet nichts anderes als „Sitzen in Stille". Und das kann man auch im italienischen Anzug. Als einziger Redner, der sich selbst keinen Meditations-Übungen unterzieht, trat der Dr. Wilfried Guth an. Der 83jährige („Hier spricht ein ‚old animal’ zu Ihnen") hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für „werteorientierter Führung": Es komme nicht nur darauf an, Unternehmensziele „schön zu formulieren", sondern sie zu leben. Nur die Persönlichkeit und das Handeln einer Führungskraft können einen Mitarbeiter überzeugen. Dazu zähle der gesamte Lebensstil des Managers, der sich durch harte Arbeit und Entbehrung auszeichnen, aber auch Raum für Muße und kulturelle Anregungen bieten müsse: „Der entspannte Chef ist der bessere Motivator", so Guth. Er zeigte sich erleichtert darüber, dass die „Überbetonung des Shareholder-Value" wieder zurückgenommen werde zugunsten des „Stakeholder Value" und damit einer größeren Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten, aber auch gegenüber dem Staat: „Ein Unternehmer hat die Pflicht, sich in die politische Diskussion einzuschalten, auch wenn es unbequem ist", so Guth. Er habe die Aufgabe, sich auch für die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur einzusetzen. Meditation verändert die Manager nachhaltig: das zeigte die ätherische Erscheinung Paul J. Kohtes. Kohtes praktiziert Zen und Yoga und hat – ganz im Guth’schen Sinne – seine Anteile an ECC Kohtes Klewes in die „Identity-Foundation" eingebracht: eine Stiftung, die neue Erkenntnisse zum Thema Identität gewinnen soll, „um Menschen zu einem freien und selbstbestimmten Leben zu führen". Er ist ebenfalls durch eine persönliche Krise auf den Zen-Weg gekommen („Wenn ich weiter zu 120 Prozent arbeite, werde ich schwer krank oder ich flippe aus") und ist mittlerweile aus dem klassischen Manager-Leben ausgestiegen: „Eine normale Berufslaufbahn kann ich mir heute nicht mehr vorstellen." Mit dieser Einstellung steht er nicht alleine da: Die Studien über die Werthaltungen von Spitzenmanagern, die seine Stiftung in Auftrag geben hat, zeigen, daß die Manager der Old Economy es als ihre „ethische Pflicht" empfunden hatten, erfolgreich zu sein. Die Neuen Manager dagegen wollten „Spaß am Erfolg". Der für viele Seminarteilnehmer fesselnste und zugleich am schwersten verständliche Redner war Michael von Brück, Professor für Religionswissenschaft an der Universität München. Er konstruierte einen kühnen philosophischen Überbau über die Erfahrungen der Manager, indem er eine Tour de Force durch die Philosophie-Geschichte unternahm und kurzerhand nachwies, dass das seit Parmenides andauernde Zeitalter der Statik nun abgelöst werde durch eines der Bewegung – eine zutiefst asiatische Vorstellung. Spaß statt Pflicht, Entspannung statt Streß, Verantwortung statt Profit, Bewegung statt Stillstand. Das klingt – einmal mehr – nach Wertewandel und Paradigmenwechsel. Und das soll mit Meditation gelingen? „Ich bin sehr optimistisch", sagt Wielens, und die von ihm geladenen Redner stimmen unisono zu. Warum gerade jetzt? Von Brück attestiert eine „neue Nachdenklichkeit", Kohtes eine „neue Generation, die weltoffener und meditativer" ist. Dr Anna Gamma, Leiterin des Lassalle-Institutes in Bad Schönbrunn (Schweiz), das der eidgenössischen Wirtschaft regelmäßig Ethik-Bilanzen aufstellt, unterlegt diese Einschätzung mit Fakten: 49 Prozent der von ihr befragten Unternehmer sehen sich in einer direkten Verantwortung für „Erde und Kosmos". Ein erstaunliches Ergebnis, findet Gamma, aber sie warnt vor überzogenen Hoffnungen: „Der Weg nach Innen reicht nicht aus", sagt sie. „Es müssen auch die Strukturen der Wirtschaft so verändert werden, dass sie die Menschen mit ihren neuen Erfahrungsräumen ‚abholen’. Sonst bekommen die große Schwierigkeiten!" Oder sie steigen aus, wie Paul J. Kohtes. Anne Jacoby
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