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Welt am Sonntag vom 24. Nov. 02

Die Seele managen

Bernd Rasche informiert über Stress im Büro, er führt in dem langen Artikel u.a. aus: „Statt Pillen und Alkohol können Entspannungsmethoden Abhilfe schaffen". Der Autor berichtet über verschiedene Entspannungsmethoden und über ein Symposium der Europäischen Zen-Akademie. In dem Artikel heißt es:
„Dienstagmorgen, 10.30 Uhr. Michael Meier, Inhaber und Geschäftsführer eines mittelständischen Autozulieferers, ist für rund 20 Minuten nicht zu sprechen. Er sitzt im Schneidersitz, die Hände locker übereinander gelegt, mit halb geöffneten Augen auf dem Teppich in seinem Büro. Er praktiziert Zen-Meditation. Nachdem er sein „Dampfkessel-Gefühl" über einige Zeit mit Alkohol und hin und wieder mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln bekämpft hatte, kam Meier zufällig zur Zen-Meditation – und blieb dabei.
Wenn es nach Hans Wielens geht, wird das Bild des meditierenden Managers bald zum Alltag in Unternehmen gehören. Wielens .... gründete vor Jahren die Europäische Zen-Akademie für Führungskräfte.
Asiatische Entspannungsmethoden wie Zen, Tai-Chi, Qigong oder Yoga werden nicht mehr nur in alternativen Kreisen gepflegt. Auf Tagungen zur Personalführung der Europäischen Zen-Akademie wird deutlich, dass sie Einzug in die Wirtschaft halten: Mediziner, Psychologen und Management-Berater stellen übereinstimmend fest: Der gewaltige Modernisierungsschub der vergangenen Jahre hat den Druck auf Manager enorm erhöht.
Guido Peltzer beschäftigt sich als Psychiater schwerpunktmäßig mit der Behandlung von Stresssyndromen bei Managern. „Der Preis der Führungskräfte für Hektik und Wandel ist hoch", sagt der Fachmann. Die Zahl der psychosomatischen Erkrankungen bei Menschen in verantwortlichen Positionen steige alarmierend. „Die Geschwindigkeit und Häufigkeit von Veränderungen und die wachsende Komplexität von Arbeitsabläufen verlangen immer mehr Belastbarkeit. Viele Manager fühlen sich überfordert. Angst ist die Folge. „Als Manager Angst zu haben", sagt Peltzer, „ist ein solcher Makel, dass dies als Existenzbedrohung erlebt wird."
Das bestätigt auch Wolfgang Stegmann. Der Betriebswirt von der Fachhochschule Köln hat in einer Studie zusammen mit dem Soziologen Winfried Panse festgestellt, dass verdrängte Angst mittlerweile gravierende Auswirkungen in der deutschen Wirtschaft hat...
Doch mit westlichen rationalistischen Techniken, die auf noch mehr Leistung und Kontrolle zielen, ist dies nicht zu bekämpfen. Peltzer sagt: „Meditation is a must". Seine Empfehlung für Manager, Personalentwickler und Unternehmensleitungen: Prophylaxe gegen stressbedingte Ausfälle und Erkrankungen müssen fester Bestandteil nicht nur der individuellen Karriereplanung, sondern auch der Personalführung in Unternehmen werden.
Als Elemente solcher Vorsorgeprogramme empfiehlt er Meditationstechniken und asiatische Bewegungsübungen wie Yoga, TaiChi und Qigong....
Zentrale Elemente eines Vorsorgeprogramms sind eine Meditationsform wie Zen zur Tiefenentspannung, Besinnung und Sammlung sowie Bewegungstechniken wie Yoga, TaiChi und Qigong zur Körperharmonisierung. Idealerweise müsste noch eine Ausdauersportart wie Walking, Schwimmen oder Radfahren hinzukommen.
Alle Experten der Europäischen Zen-Akademie, die für Führungskräfte arbeiten, sind sich darin einig, dass Unternehmen gut beraten wären, auch in die Personalentwicklung solche Angebote zu integrieren. Die Fürsorge den Mitarbeitern gegenüber zahlt sich auf jeden Fall aus – mit mehr Kreativität, einem besseren Betriebsklima, weniger Krankheitsausfällen – und mit einer positiven Bindung ans Unternehmen. Außerdem hilft die Beschäftigung mit dem Thema, die fatale Ignoranz im Umgang mit den Überlastungen von Managern abzubauen."

 

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